Einmal fest am Steuerknüppel ziehen
Pressebericht aus der Kornwestheimer Zeitung vom 07.03.07
von Birgit Kiefer
Fliegergruppe Kornwestheim lädt Realschüler aus dem Stuttgarter Süden zu einem eigenen Flugtag ein
Einmal selbst das Steuer in die Hand nehmen und das Flugzeug, in dem man sitzt, in den Himmel steigen lassen: Ein Traum für die Schüler der Schickhardt-Realschule. Bei der Verwirklichung am gestrigen Tage haben Mitglieder der Fliegergruppe Kornwestheim geholfen.
Noch schwer atmend und völlig aufgelöst kommt Arzu aus der Cessna geklettert. Pilot Jörg Elsenbeck hat die ElfJährige, die im Cockpit vorne neben ihm gesessen ist, einmal selbst steuern lassen. Dabei hat sich ihre Freundin Jessica hinter ihr den Kopf am Flugzeugdach angestoßen. "Ich habe an dem Knüppel gezogen, und ab sind wir hoch, und dann hab" ich gedrückt, und es ging runter", erzählt Arzu begeistert, während sich Jessica noch den Kopf abtastet. Der von Arzu eingeleitete Sturzflug kam wohl etwas überraschend für sie.
Die Fliegergruppe hat sich auf die Anfrage von Referendar Klaus Stäudle spontan bereit erklärt, einen Flugtag für die Realschüler der Klasse 5 a zu veranstalten. Stäudle hat selbst den Flugschein und wollte seinen Schülern während der Projektwoche die Gelegenheit bieten, mal in die Luft zu gehen und die Welt für ein paar Minuten aus einer anderen Perspektive zu sehen.
"Eine tolle Aussicht hat man von da oben", erzählt Michael ganz begeistert, nachdem ihn Andreas Krauss mit der Super Dimona wieder heil auf dem Grün des Flugplatzes abgesetzt hat. Nur der Druck auf den Ohren sei sehr stark. Werner Sammet von der Fliegergruppe meint da nur: "Schlucken, feste schlucken."
Dazu bleibt den Schülern aber kaum die Zeit. Erst konnten sie die Nacht über vor Aufregung kaum schlafen. "Für die Kinder einer Stadtschule ist das hier einfach etwas ganz Besonderes", glaubt die Klassenlehrerin Claudia Janku. Dann sind sie alle viel zu früh am Treffpunkt angekommen und sind eine halbe Stunde früher mit der S-Bahn gefahren.
Am Flugplatz angekommen, hatten die Realschüler mit ihren Lehrern daher genügend Zeit, den Tower und die gesamte Umgebung zu erforschen, bevor das eigentliche Programm losging. Und das lief im Prinzip ab, wie es bei Fliegern eben so zugeht. Das Fliegen ist jedenfalls nur der Höhepunkt - davor und danach ist aber immer noch vieles zu erledigen, ohne das die Fliegerei keine einzige Minute funktionieren würde. Als erstes haben sie also den Hangar "leer geräumt", das heißt, die Flugzeuge, die darin verschachtelt stehen, ins Freie gezogen.
Dann müssen die Piloten immer noch checken, ob mit ihren Maschinen alles in Ordnung ist, das ist schließlich lebenswichtig. Den ersten Flug musste am Dienstag allerdings der einzige alte Hase unter den Stuttgartern, der Referendar, machen. Die Schüler zogen es vor, erst einmal zu sehen, ob das klappt. Anschließend gab es aber kein Halten mehr.
Die Schüler nutzen ihre Projektwoche allerdings nicht nur, um mal zu fliegen. Sie haben sich auch Hintergrundwissen angeeignet. Sie wissen beispielsweise, warum so ein schweres Flugzeug sich überhaupt in der Luft halten kann. Es kommt geradezu aus ihnen herausgesprudelt: "Die Flügel sind oben und unten anders, dann kommt der Wind, und es entsteht Unterdruck - wie beim Strohhalm." Und dann geht es nach oben.
