Autorenlesung für unsere Zehntklässler

Grit Poppe liest aus ihrem Buch "Weggesperrt"- die Zeitzeugin Kerstin Kuzia klärt über die Situation in Jugendwerkhöfen der DDR auf.

Die drei zehnten Klassen unserer Realschule kamen am 17.02.2011 nachmittags in den Genuss die Autorin Grit Poppe und die Zeitzeugin Kerstin Kuzia kennen zu lernen.

Zum Buch: Poppes Buch "Weggesperrt" ist die diesjährige Prüfungslektüre der Realschulen in Baden-Württemberg. Inhaltlich geht es darin um ein düsteres Kapitel der DDR-Geschichte: Der Erziehung von Jugendlichen, die nicht in das Schema der DDR passten. Anja, 14-jährige Protagonistin des Buches, wird 1988 in einen Jugendwerkhof gebracht, ohne je einen Richter, geschweige denn ein Urteil, gesehen zu haben. Der Umgangston in dieser Einrichtung ist rau. Anja hält bald die vielen Schikanen und Ungerechtigkeiten nicht mehr aus. Nach einer missglückten Flucht und der erneuten Einweisung in den Jugendwerkhof verliert sie die Nerven und rastet aus. Die Folge ist, dass sie in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau verlegt wird. Torgau ist eine Einrichtung der Jugendhilfe, wo der Wille der Jugendlichen durch Demütigungen, Drill, Isolation, Arbeit und Sport "gebrochen" werden soll. Damit fängt Anjas Leid erst richtig an.

Die Autorin Grit Poppe las aus ihrem Buch einige beklemmende Stellen vor, im Anschluss konnten die Schülerinnen und Schüler Frau Poppe fragen zur Geschichte um Anja und zur Entstehungsgeschichte des Buches stellen. Die Zeitzeugin Kerstin Kuzia, die eine der wichtigsten Quellen für die Entstehung des Buches für die Autorin darstellte, berichtete über Geschehnisse ihrer Kindheit und Jugend, die sie vor allem im Jugendwerkhof Hummelshain aber auch im Geschlossen Jugendwerkhof Torgau erleben musste. Frau Kuzia berichtete unseren Schülerinnen und Schülern sehr anschaulich vom Leben im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. Nach der Ankunft dort kamen damals alle Neuankömmlinge zunächst drei Tage und Nächte in Einzelhaft, ohne Kontakt zur Außenwelt. Diese menschenunwürdige Aufnahme war der erste Schritt in die schlimme Zeit, die den Ankömmlingen bevorstand. Harte Arbeit an veralteten Maschinen, Toilettengänge zu bestimmten Zeiten und in Fünfergruppen unter Aufsicht, extreme körperliche Belastung durch übertriebenen Sport und Willkür der Erzieher und Aufseher sowie die Erziehung durch das Kollektiv prägten den Alltag in Torgau. Wer die Zeit dort schaffte, kam nicht mehr als er selbst, sondern als gebrochener Mensch heraus. Beängstigend ist, wie die Betroffenen noch heute mit den Spuren ihrer Internierung, die ihre Seele belasten, zu kämpfen haben. Ein normales Leben zu führen ist für die ehemaligen Insassen nicht möglich.

Keine Autorenlesung ohne die Möglichkeit sich die Bücher signieren zu lassen! Grit Poppe und Kerstin Kuzia signierten unter großem Gedränge im Anschluss noch viele"Prüfungslektüren" unserer Zehntklässler. Mögen diese Signaturen unseren Schülerinnen und Schülern in der bevorstehenden Deutschprüfung Glück bringen!

Ganz herzlich bedanken wir uns bei Frau Lonergan, der Vorsitzenden des Fördervereins der Schickhardt-Realschule, die durch ihren unermüdlichen Einsatz so viele Spendengelder sammeln konnte, um uns diese Lesung zu ermöglichen.

Unser Dank gilt auch den Sponsoren: Stiftung Landesbank Baden-Württemberg, Eduard-Pfeiffer-Stiftung, Konrad Wittwer, Bertelsmann DER CLUB, Botnanger Buchladen, Hoser & Mende.


S.Wagner

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